Von Cassandra Gugoff
Ehrenamtliche Mitarbeiterin am Klima Institut
Washington DC (www.climate.org)
Die Auswirkungen des globalen Klimawandels sind schon seit vielen Jahren spürbar und Unternehmen beginnen langsam, von den potentiell nachteiligen Folgen, welche es auf Ihre Branche haben könnte, Notiz zu nehmen. Weinhersteller sind über die zunehmenden Wetterveränderungen und deren Potentiale, die eine Tragödie für den ganzen Industriezweig darstellen, alarmiert. Die allerbesten Winzer ihrer Zunft bemühen sich ein harmonisches Gleichgewicht zwischen Zucker und Säure herzustellen, welches jeden Wein ein unverwechselbares Aroma und eine einzigartige Geschmackstruktur verleiht.
Die Temperatur während der Reifung ist dabei ausschlaggebend zur Erreichung des harmonischen Gleichgewichts. Wärmere Jahreszeiten und weniger Frost veranlassen die Trauben zu früh zu reifen und verhindern, dass der Zucker und die Säure ins Gleichgewicht fallen und die Rebsorten sich vollständig entfalten. Es ist wahrscheinlich, dass Winzer durch den Klimawandel innerhalb dieses Jahrhunderts gezwungen werden, auf Trauben umzustellen, die in wärmeren Klimaregionen wachsen. Für nördliche Klimaregionen wie England und Kanada ist dies positiv, es könnte jedoch eine Tragödie für Winzer der Städte Bordeaux und Champagne darstellen, welche bald nicht mehr im Stande sein werden, ihre legendären Produkte zu erzeugen. Obwohl bis jetzt wenig über diesen potenziellen Niedergang einer etablierten Industrie berichtet wurde, gibt es erste Anzeichen, dass ein ähnliches Schicksal bald Deutschlands Brauereien widerfahren könnte.
In der Vorgeschichte entdeckten primitive Völker Bier und fanden heraus, dass es Vitamin B sowie Kalorien enthält und einen "sorgenfreien und stets bereiten Vorrat
eines trinkbaren und tragbaren Getränkes" sicherte. Seit ungefähr 800 v. Chr. ist Bier eine Stapelware des typischen Deutschen, woraus auch der Spitzname "flüssiges Brot" entstand. Deutschland hat sogar mit dem Erlass des Reinheitsgebotes im Jahre 1516 die Wichtigkeit von Qualitätsbier im Gesetz verankert. Zurzeit allerdings steigt stetig der Preis des "flüssigen Brotes" der Deutschen. Auf dem berühmten Oktoberfest dieses Jahr ist eine 5.5-prozentige Preiserhöhung zu erwarten, die den Preis von einer Maß Bier auf $10.70 erhöht; der höchste Preis seit jeher. Während dieser Preisanstieg die deutschen Verbraucher empört, könnte dieser durch weitere Klimaänderungen und dem ansteigenden Trend zur Biobrennstoffentwicklung, bald zur Realität werden.
Der Klimawandel hat einen entscheidenden Einfluss auf globale Wetterveränderungen und führt damit zu wachsenden Sorgen der Weinhersteller betreffend ihrer Milliarden Dollar Industrie. Bierbrauern könnte ein ähnliches Schicksal widerfahren, falls sich das Klima der Erde weiter erwärmt und dadurch zu einer Zunahme in Stärke und Frequenz von Stürmen führt. Die europäische Hitzewelle im Sommer 2006 brachte einen uncharakteristisch heißen und stürmischen Sommer der Deutschlands Ernteertrag von Gerste massiv beschädigte. Malz-Gerste ist gesetzlich eine wesentliche Zutat beim
Bierbrauen. Gemäß dem Reinheitsgebot, welches stolz aufrechterhalten wird, dürfen Bierbrauer nur Hopfen, Gerste, Wasser und Hefe für ihr Bier verwenden, um zu garantieren, dass ihr Bier "gut und gesund" ist. Das bedeutet, dass Bierbrauer gesetzlich außer Stande sind, Gerste durch Reis oder Mais zu ersetzen, welche dieselben Bestandteile im Brauprozess liefern. Zudem sind deutsche Brauer wohl wählerisch und akzeptieren nur Gerste der höchsten Qualität für "ihr" Malz. Die riesige Regenmenge, welche gerade vor der Ernte fiel, verursachte Schäden am Getreidekorn und führte zum verfrühten Keimen der Gerste. Dieser Nebeneffekt reduzierte die Fähigkeit und/oder die Reifezeit der Gerste während dem Mälzen. Deutsche Bierbrauer werden diese geringwertige Gerste nicht akzeptieren, da deren Schäden zu einem geringeren Anteil an Malz, verminderter Malz-Qualität, sowie - am Wesentlichsten - zu verändertem Geschmack, führen kann. Durch das schlechte Wetter ist der verwendbare Ertrag hochwertiger Gerste in einem Jahr von 1,6 Millionen Tonnen auf 1,2 Millionen Tonnen gesunken. Laut der Vereinigung der bayrischen Bierbrauer ist deshalb der Preis von Euro 270 pro Tonne vor zwei Jahren auf ungefähr Euro 385 gestiegen. Das sind mehr als 40 Prozent Preissteigerung.
Eine zweite Herausforderung, die den Bierbrauern bevorsteht, ist der wachsende Trend Bio-Treibstoffe in Deutschland zu entwickeln. Das stark geförderte "Biokraftstoffquotengesetz" schreibt bis 2015 einen minimalen Pflichtanteil an Bio-Treibstoffen von 8 % vor. Deutschland plant auch das EU-weite Ziel, vorgeschlagen in einer Kommunikation der EU-Kommission vom 10. Januar 2007, von 10 % Pflichtanteil bis 2020, zu erreichen. Folge dessen, hat die deutsche Regierung begonnen die Produktion von Mais und Rapssamen zu subventionieren, um sicherzustellen, dass die nötigen Mengen als Biobrennstoff zur Verfügung stehen. Getreidebauern sind wegen der gegenwärtig schlechten Ernteerträge von Gerste stark beeinflussbar. Viele Bauern geben den Anbau von Gerste ganz auf und übernehmen stattdessen den Anbau der stark subventionierten und dadurch lukrativeren Getreide sorten, welche für umweltfreundliche Bio-Treibstoffe eingesetzt werden. Diese Bewegung in Richtung Mais und Rapssamen verringert nunmehr das ohnehin schon geringe Angebot der Gerste. Viele Bürger sehen die Schuld bei der Regierung und deren Subvention von Bio-Treibstoff-Getreide. Sie erhoffen nun eine Änderungen der Situation, da, wie die elementare Volkswirtschaftlehre voraussagt, das geringere Angebot an Gerste höhere Preise bewirken wird.
Unter den weit reichenden und globalen Auswirkungen der Erderwärmung sind die Folgen für Deutschlands Brauereien wohl am kuriosesten. Als Deutschland seine Umsatzsteuer Anfang des Jahres um drei Prozent erhöhte, entschieden sich Bierbrauer dazu, die Konsumenten zu schützen. Das Abwälzen der erhöhten Preise von Gerste können sie jedoch nicht vermeiden. Da das angesehene Reinheitsgebot die Verwendung der Gerste vorschreibt, müssten
deutsche Bierbrauer sich nun mit Gerste niedriger Qualität begnügen um gleichbleibende Bierpreise aufrecht erhalten zu können. Obwohl die spärliche Ernte große Mengen an minderwertiger Gerste lieferte, beharren viele deutsche Brauereien darauf, dass ihr inbrünstiges Verlangen nach Vollkommenheit, ihrem Bier zu Weltruhm verhilft. Folglich müssen deutsche Verbraucher eine schwere Entscheidung treffen: entweder mehr für ihr geliebtes Bier zahlen oder hochwertige Qualität für eine sauberere Umwelt eintauschen. Feine Unterschiede wie diese, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden, verändern die Welt und führen zu dauerhaften Änderungen in unserer Gesellschaft. Wenn Sie glauben, dass die Effekte der Erderwärmung sie nicht betreffen, schauen sie sich um - vielleicht in Ihrer Stammkneipe, um das ungeheure Ausmaß des Problems zu begreifen.
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